Joseph Wulf Mediothek im Haus der Wannsee-Konferenz

In der Villa Minoux am Großen Wannsee, dem damaligen Gästehaus des Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (SD), kamen am 20. Januar 1942 hochrangige Vertreter des SS- und Polizeiapparats, der Ministerialbürokratie und der NSDAP zu einer Besprechung über die „Endlösung der Judenfrage” zusammen. Das von Adolf Eichmann verfasste Besprechungsprotokoll der Konferenz gilt als Schlüsseldokument für die Organisation des Völkermordes.

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Bereits ab 1966 gab es erste Pläne für ein „Internationales Dokumentationszentrum zur Erforschung des Nationalsozialismus und seiner Folgeerscheinungen“ am historischen Ort der Konferenz. Endgültig umgesetzt wurden diese jedoch erst Ende der achtziger Jahre. 1988 wurden Gebäude und Garten nach denkmalschützerischen Gesichtspunkten für die Nutzung als Gedenkstätte rekonstruiert. 1992 wurde die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz in den Räumen der Villa eröffnet.

Im Erdgeschoss des Hauses informiert die Dauerausstellung „Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden“ über den Prozess der Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung, Ghettoisierung und Vernichtung der Juden im deutschen Einflussbereich zwischen 1933 und 1945.

Die Gedenkstätte bietet ein differenziertes pädagogisches Angebot (Führung mit Gesprächen in der Ausstellung, ganz- und mehrtägige Seminare) an. Zielgruppen sind Schüler aller Schularten, junge Menschen während ihrer Berufsausbildung, Erwachsene in der beruflichen oder politischen Weiterbildung und Multiplikatoren. Für Angehörige diverser Berufsfelder hat die Gedenkstätte berufsspezifische Studientage entwickelt, die zum Thema haben, wie sich Vertreter des eigenen Berufsfeldes zu den national-sozialistischen Verbrechen verhalten haben.
Die Joseph Wulf Mediothek befindet sich in der ersten Etage des Gebäudes und gehörte von Beginn an zum Bildungskonzept der Gedenkstätte. Sie steht daher sowohl den Seminargruppen für deren Arbeit mit gedruckten und verfilmten Materialien als auch Einzelbesuchern zur Verfügung. Benannt ist die Bibliothek nach dem Historiker Joseph Wulf (1912-1974), der in den Sechziger Jahren mit dem Versuch gescheitert ist, in der Villa ein Dokumentationszentrum einzurichten. Sammelschwerpunkte sind die Geschichte der Juden in Europa, Antisemitismus, Verfolgung und Völkermord, Nationalsozialismus, Rassismus, Neonazismus, Erinnerungskultur, Umgang mit der NS-Geschichte nach 1945 und Gedenkstättenpädagogik.

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Der Buchbestand umfasst derzeit etwa 40.000 Monografien und 18.000 Zeitschriftenbände. Hinzu kommen eine große Sammlung von Dokumentar- und Spielfilmen sowie ein Konvolut von verfilmten Zeitschriften und Aktenbeständen auf Mikrofilmen und -fiches. Die Besucher können darüber hinaus in verschiedenen Datenbanken recherchieren.
Neben wissenschaftlicher Literatur und Originaldokumenten werden themenspezifische Romane, Kinder- und Jugendbücher, Schulbücher und pädagogische Materialien angeboten. Hinzu kommt eine Sammlung von Gedenkbüchern und Überlebendenberichten.
Die Joseph Wulf Mediothek wird jährlich von über 5000 Einzelnutzern aufgesucht. Es handelt sich hierbei neben Wissenschaftlern und Studierenden auch um Schüler, interessierte Touristen aus aller Welt und Besucher mit persönlichen Anliegen, wie etwa einer Recherche zu im Holocaust ermordeten Vorfahren. Die intensive Betreuung dieser verschiedenen Besuchergruppen ist uns ein besonderes Anliegen.

Unser Online-Katalog verzeichnet alle Bücher und Zeitschriften einschließlich der NS-Bestände. Außerdem sind darin alle relevanten Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden erschlossen. Unsere Filmsammlung weisen wir in einer separaten internen Datenbank nach.
Die Daten unseres Katalogs überspielen wir monatlich in den Berlin-Brandenburgischen Bibliotheksverbund (KOBV) bzw. in die Zeitschriftendatenbank sowie in den Katalog der Arbeitsgemeinschaft der Gedenkstättenbibliotheken (AGGB).

Text: Monika Sommerer

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