New York-Bericht / AspB-Stipendium 3.-10.10.2018

Als die Arbeitsgemeinschaft der Spezialbibliotheken (ASpB) Anfang 2018 ein Stipendium für einen bibliothekarischen Fachaustausch auslobte, sah ich für mich die einmalige Chance, neue Kontakte zu Einrichtungen im Ausland zu knüpfen, die sich mit ähnlichen Themen wie unser Institut beschäftigen. Ich bin seit Oktober 2016 Bibliotheksleiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) in Berlin und sehr daran interessiert, Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, die in thematisch ähnlichen Arbeitsbereichen wie ich tätig sind, deren Unterstützung ich bei manchen Fragen brauche und mit denen unser Institut bzw. die Bibliothek des ZfA mögliche gemeinsame Projekte voranbringen kann. Schnell kristallisierte sich als Zielpunkt New York heraus, da sich dort zahlreiche Einrichtungen befinden, die sich schon seit langer Zeit intensiv mit jüdischer Geschichte, Antisemitismus sowie jüdischer Flucht und jüdischem Exil befassen. Mit ihnen in Kontakt zu kommen, würde eine große und wichtige Bereicherung meiner Arbeit in Berlin darstellen.

Nach Antragsstellung erhielt ich recht schnell die Zusage für die Fahrt nach New York und mein selbst geplantes Programm gestaltete sich folgendermaßen:

Mittwoch, 3. Oktober: Abflug  aus Berlin und Ankunft in New York
Donnerstag, 4.Oktober: Leo-Baeck-Institute (ganztags)
Freitag, 5. Oktober: YIVO Archiv (ganztags)
Montag, 8. Oktober: Museum of Jewish Heritage (vormittags), Jewish Museum (nachmittags)
Dienstag, 9. Oktober: JOINT (vormittags), Center for Jewish History (nachmittags)
Mittwoch, 10. Oktober: New York Public Library / Judaica-Abteilung (vormittags), Abflug Berlin (nachmittags)

Das Leo Baeck Institute for the Study of German-Jewish History and Culture (LBI)
wurde 1955 von deutsch-jüdischen Emigranten, unter ihnen Hannah Arendt und Martin Buber, in New York gegründet, deren Ziel darin bestand, nach dem Holocaust an die weitgehend zerstörte Überlieferung und Kultur des deutschsprachigen Judentums zu erinnern. Zeitgleich gründeten sich Leo Baeck Institute in Jerusalem und London, erster Präsident des Leo Baeck Instituts mit seinen drei Standorten war Leo Baeck.

Das New Yorker Institut besitzt z.Zt. ca. 80.000 Bände und 1.600 Zeitschriften in der Bibliothek, 7.000 – 8.000 Objekte in der Art Collection (Grafiken, Gemälde, Ritualgegenstände u.v.m.) sowie eine Sammlung an Archivalien, die mehrere Millionen Einheiten umfasst.

Die Bibliothek des Leo Baeck Instituts verfügt über einen jährlichen festen Etat und erwirbt aktuell erscheinende Bücher mit eigenen Mitteln. Sie ist eine der größten Bibliotheken zu jüdischer Geschichte und Kultur weltweit und ist im Alleinbesitz zahlreicher Raritäten.

Das Besondere an den Beständen des LBI-Archivs ist, dass sie nicht aktiv erworben wurden, sondern ausnahmslos durch Schenkungen an das Institut kamen. Bis heute sammelt das LBI-Archiv nicht aktiv, sondern ist die erste Anlaufstelle für deutschsprachige jüdische Familien, die ihre Nachlässe gut untergebracht wissen wollen. Die Archivbestände geben einen Einblick in deutschsprachige jüdische Alltagskultur mit Schwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert, einige Archivalien gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Vorhanden sind überwiegend Familienüberlieferungen, alte Briefe, Stammbäume usw., die den jüdischen Familien, die vor dem Holocaust flüchten konnten, so wichtig waren, dass sie ins Exil mitgenommen bzw. nachgeschickt wurden. Diese heute noch vorhandenen Materialien stellen nur einen Bruchteil der jüdischen (Familien-)Überlieferung dar, die im Holocaust zerstört wurde und geben Auskunft über eine bestimmte gesellschaftliche Schicht, die der Vernichtung entkommen konnte.

Digitalisierung wird beim LBI sehr groß geschrieben, da die umfangreichen im LBI vorhandenen Quellen ForscherInnen und Interessierten weltweit frei zur Verfügung stehen sollen. Alle digitalisierten Materialien finden sich im DigiBaeck-Katalog, er enthält 75% des Archivmaterials, 2.000 Memoiren und Manuskripte, 2.000 Kunstwerke, urheberrechtsfreie Bücher und Periodika, über 25.000 Fotografien sowie knapp 500 Tonaufnahmen (Oral History Interviews mit österreichisch-jüdischen Immigranten).

Das LBI beantwortet in der täglichen Arbeit zahlreiche Anfragen aus aller Welt: hierbei geht es z.B. um genealogische Fragen, um die Frage nach den Schicksalen im Holocaust getöteter Familienangehörigen aber auch um Anfragen von Städten und/oder Gemeinden, die sich ihrer Geschichte stellen und an die aus ihrem Ort deportierten und überwiegend ermordeten jüdischen Familien erinnern möchten.

 

Das Yivo Institute for Jewish Research ist eines der weltweit größten und wichtigsten Einrichtungen zur jüdischen Geschichte (Ost-)Europas. Es wurde 1925 in Vilna (Polen) mit dem Ziel gegründet, jüdisches Leben in all seinen Facetten zu dokumentieren. Schwerpunkt ist dabei Osteuropa, es werden aber auch Dokumente und Bücher zum Judentum weltweit gesammelt.

1939 wurde das YIVO Institute von den russischen Besatzern in ein anderes Museum integriert, 1941 nach der Besetzung durch Deutschland wurden die YIVO-Bestände geplündert und entweder dem „Institut zur Erforschung der Judenfrage“ zugeführt oder aber zerstört. 1940 öffnete das YIVO ein neues Büro in New York und baute in den letzten fast acht Jahrzehnten eine neue, sehr umfangreiche Sammlung auf.

Das Archiv umfasst z.Zt. ca. 24 Millionen Blatt Materialien, davon ca. sieben Millionen Blatt aus den zwischen 1939 und 1945 besetzten osteuropäischen Ländern. Die Themenspektren des YIVO liegen in jiddischer Sprache und Kultur, jüdischem Leben in Europa, dem Holocaust und der Zeit danach sowie jüdischem Leben in den USA nach 1945 (Exil und Immigration). Wie das LBI sammelt auch das YIVO-Archiv nicht aktiv, sondern wird von eventuellen Gebern angesprochen.

Die Bibliothek besitzt 400.000 Medieneinheiten in allen europäischen Sprachen und ist damit eine der weltweit größten Bibliotheken zu jüdischem Leben in (Ost-)Europa. Zahlreiche wertvolle und kostbare Rara-Bücher und Handschriften gehören in ihren Bestand.

Das YIVO versteht sich nicht nur als Archiv und Bibliothek: es ist ein Treff- und Lernpunkt zur jüdischen Geschichte. Das YIVO bietet Online-Kurse zu Jiddisch und jüdischer Kultur und darüber hinaus finden in seinen Räumen Musikabende und Lectures statt. Auch Study Tours in osteuropäische Länder können gebucht werden, um verlorene, zerstörte jüdische Spuren und aktuelles jüdischen Leben finden und sehen zu können.

Ein seit 2015 laufendes und auf sieben Jahre angelegtes internationales Digitalisierungsprojekt des YIVO und anderer Beteiligter hat zum Ziel, die Bestände der YIVO Bibliothek und des Archivs aus der Vorkriegszeit online zugänglich zu machen: Ein Drittel der YIVO-Bestände vor 1939 wurden von den Deutschen konfisziert. Jüdische Wissenschaftler sollten diese Materialien im Auftrag der Deutschen vor Ort in Vilna sichten und katalogisieren. Diese Wissenschaftler schmuggelten Teile der wertvollen Materialien aus den Räumen heraus und versteckten sie an verschiedenen Orten in Vilna. 1991 wurden ca. 250.000 Blatt dieser geschmuggelten Bücher und Dokumente in einer alten Kirche in Vilnius gefunden, 2018 noch einmal 170.000 Blatt. All diese Medien wurden der litauischen Nationalbibliothek übergeben, die sie wiederum zusammen mit dem YIVO New York restauriert und digitalisiert, um sie öffentlich zu machen.

 

Das Museum for Jewish Heritage – a Living Memorial to the Holocaust ist das drittgrößte Holocaust-Museum der Welt (neben Yad Vashem und dem U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington). Es wurde am Fuße von Manhattan am 15. September 1999 in New York eröffnet. Das Museum möchte verschiedene Ansätze verfolgen: zum einen soll die Holocaust Education gefördert, zum anderen der Holocaust einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dieses wird mit der Dauer- und mehreren Wechsel-Ausstellungen sowie einem breiten Programm für die Öffentlichkeit und größeren Veranstaltungen erreicht.

Die Dauerausstellung gliedert sich in fünf Teile: das erste Kapitel widmet sich der jüdischen Geschichte, jüdischen Riten im Alltag, dem jüdischen Lebenskreis. Der Holocaust wird in einem großen zweiten Kapitel dargestellt. Kriegende und Displaced Persons Lager nach 1945 bilden das dritte, Exil, Emigration und Neuanfang nach 1945 das vierte Kapitel. Im fünften und letzten Teil wird über jüdisches Leben heute informiert.

Mir persönlich hat die Dauerausstellung nicht so gut gefallen, ich fand sie sehr überfrachtet: Fotos, Gegenstände, Tonmaterialien und Hintergrundbilder waren auf engstem Raum zusammen, so dass ich mich schwer auf eines dieser Angebote  konzentrieren konnte. Außerdem waren bestimmte Ausstellungskapitel sehr emotional. Alles in allem gibt die Ausstellung aber natürlich einen sehr guten Überblick über den Holocaust und seine Folgen.

 

Das Jewish Museum wurde 1904 gegründet und war das erste Jüdische Museum in den USA. Es ist eines der ältesten Jüdischen Museen weltweit. An der Museum Mile in Eastern Manhattan gelegen, hat es einen sehr prominenten Standort und ist im ehemaligen Wohnhaus von Felix Warburg in einem sehr schönen Gebäude untergebracht.

Das Jüdische Museum erzählt nicht chronologisch die Geschichte des Judentums von den Anfängen bis heute, sondern versteht sich als ein Kunstmuseum, das die Verschiedenartigkeit der Jüdischen Kultur und Identität darstellen will. Es besitzt ca. 30.000 Objekte (Kunst, religiöse Gegenstände u.a.), die als Geschenke und per Kauf an das Jüdische Museum kamen. Das JM bietet wechselnde Ausstellungen seiner Objekte, Seminare, Gespräche, Lesungen, Theaterdarstellungen und Programme für Familien mit Kindern an und will durch dieses sehr vielfältige Angebot ein breites Publikum ansprechen und an das Haus binden.

 

Das American Jewish Joint Distribution Committee (JOINT) wurde 1914 gegründet. Ausgangspunkt war das Elend jüdischer Gemeinden im Ersten Weltkrieg, denen der JOINT mit finanziellen Mitteln helfen wollte. Nach 1918 stieg die Zahl der JOINT-Büros weltweit an und ihre Aufgaben bestanden neben der finanziellen Unterstützung in der Ausbildung jüdischer Menschen, im Aufbau eines medizinischen Netzwerks in den einzelnen Ländern oder auch in der Unterstützung durch Techniker bei Wiederaufbauproblemen („help through people“).
Ab 1933 engagierte sich der JOINT bei der Emigration jüdischer Menschen aus Europa. In den Akten kann man sehr umfangreiche persönliche Schicksale einzelner Emigranten nachverfolgen, aber auch Akten z.B. zum Schicksal der St. Louis oder zum Ghetto in Shanghai finden. In der Nachkriegszeit unterstützte der JOINT die DP Camps in Deutschland in allen Belangen (Bildung, Nahrung, Medizin) und die weltweite Auswanderung von Juden nach Israel aus z.B. Osteuropa, dem Jemen sowie dem Irak. Während des Kalten Krieges galt der JOINT der Sowjetunion als eine aus den USA finanzierte Spionageorganisation und konnte in dieser Zeit keine Büros in den osteuropäischen Ländern sowie der Sowjetunion unterhalten. Nach 1989 ist der JOINT wieder weltweit tätig und unterstützt heute in über 70 Ländern nicht nur die jüdische Bevölkerung. Das Spektrum wurde auf Notfallhilfe, wie z.B. beim Hurricane in Haiti, beim Tsunami in Japan und anderen Katastrophen ausgeweitet.

Der JOINT verfügt über unzählige Mengen an Akten, die katalogisiert und inhaltlich beschrieben sind. Alle diese Akten sind digitalisiert und online zugänglich, sowie auch auf Mikrofilmen archiviert.

 

Das Center for Jewish History befindet sich seit 2001 in 15W 16th Street in New York. Es beherbergt fünf Institutionen, die zum Thema Judentum, jüdische Geschichte und Kultur etc. arbeiten: das Leo Baeck Institute, das YIVO Institute, die American Jewish Historical Society, die  American Sephardi Federation und das Yeshiva University Museum. Diese fünf Einrichtungen haben beschlossen, zusammenzuarbeiten und Synergiefeffekte positiv zu nutzen. Außerdem erhöht ein gemeinsames Auftreten die Sichtbarkeit. Trotz des gemeinsamen Centers sind alle fünf Institutionen weiterhin individuell in der Öffentlichkeit existent. Diese Zweigleisigkeit (Gemeinsamkeit vs. Individualität) ist nicht immer ganz einfach, aber für alle im Center vertretenen Einrichtungen überwiegen die Vorteile ihrer Zusammenarbeit.

Die Zusammenarbeit beginnt bei Raumangelegenheiten: in der gemeinsamen Nutzung des Vortragssaales, der Ausstellungsflächen des Magazins und des sehr schönen Lesesaales im Center.

Sie setzt sich fort in ganz praktischer Zusammenarbeit bei Fragen der Digitalisierung, bei der Restaurierung der Akten und Bücher sowie bei der Nutzung von bibliothekarischen und archivalischen Programmen: das Center stellt ein Digitalisierungs-Laboratorium (digitization lab) sowie ein Restaurierungs-Laboratorium (preservation lab) zur Verfügung, das von allen fünf Einrichtungen gemeinsam genutzt werden kann. Die Vorteile hiervon liegen auf der Hand, da z.B. kostspielige Geräte nur einmal angeschafft werden müssen, die Expertinnen und Experten dieser Fachrichtungen im Hause sind und auch die Materialien, die bearbeitet werden sollen, im Hause bleiben können und nicht von einem Ort zum anderen transportiert werden müssen. In der nächsten Zeit wird ein neues Archivierungsprogramm im Center eingeführt: dieses Programm wurde in langen Besprechungen ausgesucht und wird nun zentral eingerichtet. Die technische Seite und auch die Fortbildungen werden vom Center gestellt, die einzelnen Einrichtungen können daran partizipieren und profitieren davon, dass nicht jedes einzelne Institut diese doch sehr aufwendige Arbeit allein machen muss.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit besteht darin, dass im Center for Jewish History sehr viel Expertenwissen verschiedener Richtung zusammenkommt und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der fünf Einrichtungen sich bei regelmäßigen Runden austauschen und voneinander lernen können. Diese Austausche sind immer sehr intensiv. Fachlicher Austausch findet z.B. rege bei der Bearbeitung der in den Einrichtungen vorhandenen Dokumente und Bücher statt: um die Materialien gut bearbeiten zu können, sind umfangreiche Sprachkenntnisse aus West- und Osteuropa sowie aus Russland nötig. Nicht jedes Institut verfügt über diese Sprachkenntnisse, also helfen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbstverständlich über die Institutionsgrenzen hinweg.

Das Center for Jewish History arbeitet auch intensiv mit Einrichtungen in New York zusammen. Zum einen entstehen daraus Projekte mit New Yorker Universitäten und Museen, zum anderen schult das preservation lab des Centers andere Archive und Bibliotheken für den Umgang mit Katastrophenfällen wie z.B. Wasserschäden und Feuer.

 

Die New York Public Library / Dorot Division ist die Judaistik-Abteilung der NYPL. Sie wurde bereits 1897, nur zwei Jahre nach Gründung der NYPL eröffnet und von einem deutschen Einwanderer, Jacob Schiff, finanziert. Sie umfasst ungefähr 300.000 Medieneinheiten, u.a. eine Ausgabe des 1470 ersten gedruckten hebräischen Buches. Darüber hinaus besitzt die Dorot Divison ca. 700 von 1.000 publizierten Yizkor-Büchern, Gedenkbücher, die von Jüdischen Gemeinden nach dem Holocaust in Erinnerung an ihre ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürgern publiziert wurden.

 

Mein Fazit nach der Woche New York und den Besuchen in den verschiedenen Einrichtungen fällt ausschließlich positiv aus. Ich habe wieder einmal festgestellt, dass persönliche Kontakte das A und O einer guten Zusammenarbeit sind und Projekte auf den Weg bringen können. Ich bin mit drei neuen Projekten, die sich aus den Besuchen im Leo Baeck Institute und dem American Jewish Joint Distribution Committee ergeben haben, wieder zurück nach Berlin gefahren und kann dadurch auch die Arbeit des Zentrums für Antisemitismusforschung bereichern.

Weiterhin habe ich einen sehr tiefen Einblick darin bekommen, wie Sammlungen entstehen und auf welch unterschiedlichen Wegen sich nach und nach ein Bestand entwickelt, der für Forscherinnen und Forscher von immenser Wichtigkeit sein kann.

Außerdem wurde mir sehr deutlich, WIE unabdingbar im Bereich der Arbeit mit jüdischen Themen die Sprachkenntnisse sind. Die von mir besuchten Kolleginnen und Kollegen sind MuttersprachlerInnen aus ganz verschiedenen Herkunftsländern und somit eine Voraussetzung für die gute Arbeit, die in den Instituten geleistet wird.

Ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus verdeutlicht, dass manche Arbeiten genauso wie zuhause gemacht werden, andere dafür aber komplett unterschiedlich. Ein Beispiel für Letzteres ist das Fundraising: es hat in den USA einen unglaublichen Stellenwert. Da es keine oder kaum staatliche regelmäßige Förderung gibt, müssen Arbeiten jeglicher Art (z.B. Digitalisierung, Restaurierung) mit Spendenmitteln bezahlt werden. Meine Kolleginnen und Kollegen aus New York haben mir alle bestätigt, dass der Großteil ihrer Arbeitszeit das Fundraising betrifft: Ausdenken neuer Projekte, sie im Hause durchsetzen, ein Finanzierungs- und Werbemodell erarbeiten, potentielle Spender ansprechen und bewerben, bei „Bewilligung“ die Arbeiten durchführen und am Ende die Ergebnisse öffentlichkeitswirksam medialisieren, damit die Spenderinnen und Spender die öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, die sie mit ihrer Spende erreichen wollten. Alltägliche Arbeiten bleiben dahinter zurück. Obwohl ich persönlich froh darüber bin, nicht so arbeiten zu müssen, war ich doch sehr beeindruckt von diesem Modell, weil es zahlreiche wirklich wichtige Projekte hervorgebracht hat, die für die Einrichtung vor allem aber für ihre Nutzerinnen und Nutzer überaus ergiebig waren und eine positive öffentliche Darstellung  brachten.

Mit einem persönlichen Eindruck möchte ich meinen Bericht abschließen: ich danke der ASpB sehr für die Möglichkeit, meinen Horizont derart zu erweitern! Der Aufenthalt in New York hat mir sowohl fachlich als auch persönlich sehr viel gebracht. Besonders gefallen hat mir, dass ich seitens der ASpB absolut freie Hand sowohl hinsichtlich meines Austauschortes als auch meines Programms hatte. Ich konnte mir meine Bibliotheken und Archive unabhängig aussuchen und eigene Schwerpunkte setzen. Eventuell folgenden AspB-Stipendiaten, die auch ins Ausland gehen, möchte ich den persönlichen Rat weitergeben, das Programm nicht zu voll zu packen. Die Termine selbst sind meist recht anstrengend, weil man in kurzer Zeit oft sehr viel in einer anderen Sprache erzählt und gezeigt bekommt. Diese Eindrücke müssen verdaut und eingeordnet werden. Pausen sind meiner Erfahrung nach ebenso  wichtig, wie die Anzahl der Termine, die man nach dem Austausch vorweisen kann! Vielleicht trifft dieses aber auch nur auf New York zu…

Irmela Roschmann-Steltenkamp, Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin